„Wachstum auf Kosten der Natur?“

 

Im Artikel zur Umzonung und Überbauung der Zihlweid vom 14. Januar 2016 fehlt ein wichtiges Detail!
Auf dem Bild fehlt die Zufahrtstrasse, welche über die grüne Wiese im Vordergrund des Bildes führt. Das geplante Quartier müsste über eine neu zu erstellende einspurige Strasse erschlossen werden, welche zwischen den landwirtschaftlich genutzten Flächen verläuft und in die Hauptstrasse einmündet. Verkehrsberuhigende Massnahmen müssten wohl erfolgen, wenn eine Quartierstrasse in eine Hauptstrasse einmündet.

Die Zihlweid ist nicht, wie das Bild suggeriert, eine Fortsetzung des Schauensee-Quartiers, sondern ein eigenständiges inselförmiges Quartier. Vom Schauensee würde dieses durch den Stampach und mehreren privaten Grundstücken abgegrenzt.
Eine Erschliessung wäre nur mit grossem Aufwand zu bewerkstelligen. Richtung Autobahn wird die Zihlweid von Wald, Richtung Schauensee durch den Stampach , Richtung Eich durch Landwirtschaftszone und Richtung See durch den Mühletalbach abgegrenzt. Das Quartier könnte nur über die bestehende kleine Brücke erreicht werden. Ob die bestehende Brücke den Verkehrs-Anforderungen eines ganzen Quartiers entsprechen würde darf wohl angezweifelt werden.
Ob bei den bestehenden strengen Gewässerschutzvorgaben eine neue  Brücke gebaut werden dürfte ist fraglich.

Für Fussgänger bestünden die zwei einzigen Verbindung zum Städtchen via Brücke über einen Schotterweg (auf dem heutigen bestehenden Kuhtrampelpfad entlang des Mühletalbaches) beziehungsweise entlang der einspurigen Strasse, welche direkt in die Hauptstrasse einmündet.
In dem öffentlich ausliegenden Verkehrsrichtplan ist von der Gemeinde Sempach zwar ein Fussweg  über zwei bestehende private Grundstücke und den Stampach geplant, jedoch ist hier verständlicherweise mit sehr grossem Widerstand zu rechnen und es wäre eine Enteignung der Grundeigentümer notwendig.

Zudem ist die Zihlweid der Fruchtfolgeflächen zuzuordnen. Die Revision des Raumplanungsgesetzes, welche am 1. Mai 2014 in Kraft getreten ist, besagt, dass ebensolche Fruchtfolgeflächen zu schonen oder zu ersetzen sind.
Bei einer Überbauung müsste die fruchtbare Erde bis auf eine Tiefe von 60cm mühsam abgetragen werden und würde wie vom Stadtrat geplant auf eine bereits bestehende Fruchtfolgefläche in der Gemeinde Neuenkirch überführt, um dort diese aufzuwerten. Ein sehr umstrittenes Verfahren. De facto ist die Fruchtfolgefläche für unsere Landwirtschaft verloren. Den noch wenigen verbliebenen Landwirtschaftsbetrieben in Sempach wird erneut am Lebensnerv gesägt.

Das von der Gemeinde angestrebte Wachstum sollte eigentlich – wie im Raumplanungs-Gesetz vorgesehen – nicht wie früher nach Aussen mit Umzonung grüner Wiesen, sondern primär nach Innen durch verdichtetes Bauen erfolgen. Es wurden diesbezüglich bereits Anstrengungen der Gemeinden vorgenommen, jedoch noch zögerlich und in einem viel zu geringem Ausmass.

Der Stadtrat führt als Hauptgrund für die Einzonung das notwendige Wachstum der Gemeinde an, insbesondere das moderate Wachstum von Sempach im Vergleich zu den anderen Gemeinden in den letzten Jahren. Vielleicht war dies bisher genau das Erfolgsrezept, um eine sehr attraktive Wohngemeinde mit hoher Lebensqualität zu sein.
Sicherlich spielen bei der Einzonung auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Man muss jedoch bedenken, dass beim Bau eines neuen Quartiers nicht nur zusätzliche Steuereinnahmen generiert werden können, sondern damit auch zusätzliche  Anforderungen an die bestehenden Infrastruktur wie Kindergärten, Schulen etc. gestellt werden. Hier stösst die Gemeinde wie bekannt bereits an ihre Grenzen.

Ein Wachstumsstop ist auf jeden Fall absehbar, wenn die letzten Landreserven von Sempach verbaut sind. Es wird sich auf diese Weise gezwungenermaßen ein  Wachstumsstop einstellen. Ein Bedürfnis für neues Wohneigentum wird immer bestehen und kann wohl nie gänzlich gestillt werden. Wohneigentum und Wachstum auf Kosten der Natur?

Meiner Ansicht nach sollte es nicht das Ziel von unserem Stadtrat und ihren Raumplanern sein die letzten grünen Wiesen von Sempach dem vermeintlich notwendigen Wachstum zu opfern. Die nächsten Generationen würden es ihnen danken!

Joe Stürmlin, Sempach

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