„Bürger sind zu wenig informiert worden“

Leserbriefe SempacherWoche 21. Juli 2016:

Mit Erstaunen habe ich in den letzten Wochen die Diskussion zur Überbauung der Zihlweid in den Medien verfolgt. Leider ist die offene und vor allem ehrliche Kommunikation wie schon oft vergessen gegangen. Sprechen wir doch aus, was alle wissen: Zwischen einzelnen Stadträten und den Grundeigentümern der Parzelle bestehen innige Freundschaften und teilweise auch nicht geringe finanzielle Beziehungen. Liebe Sempacherinnen und Sempacher, wie oft musste ich mir in den vergangenen Jahren anhören, meine Parzelle könne nicht eingezont werden, so lange die Zihlweid nicht eingezont sei, oder es bestehe gar kein Bedarf an Bauland, man werde alles nach innen verdichten.

Lieber Stadtrat, bitte überlege dir doch, wo Sempach in Zukunft wachsen soll, um die Vorgaben des Bundes zu erfüllen. Hier sind Aspekte wie der Anschluss an bestehende Wohnquartiere, die Sicherheit des Schulweges, bestehende Erschliessung, kein Verbauen von Aussicht sowie eine ruhige Umgebung wichtig. Das Argument, man wolle das Städtchen wieder ins Zentrum bringen, nur um eine am Siedlungsrand liegende grüne Oase überbauen zu können, noch dazu möglichst weit vom gewachsenen Zentrum mit Schulhaus und Post entfernt, erscheint nicht sehr professionell. Ja, ich weiss, wir haben mit der Planung der Zihlweid schon 100’000 Franken an Steuergeldern ausgegeben und ja, ich weiss, wenn im Friedheim gebaut würde, würde die Matte vor dem Meierhof noch lange grün bleiben und die Sicht auf das schöne Bauernhaus und die Kirche, wie schon Jahrhunderte, erhalten bleiben. Genau so gut weiss ich auch, dass Sie, liebe Sempacherinnen und Sempacher, fähig sind, sofern Sie vollständig informiert werden, selbst zu entscheiden, wo Sempach wachsen soll.

Ich bin schon länger nicht mehr gegen eine Einzonung, sofern das Wachstum überschaubar, moderat und der Infrastruktur angepasst ist. Auch habe ich dem Stadtrat immer mitgeteilt, dass ich Ersatzland benötige, um die Struktur meines Betriebes aufrechterhalten zu können. In den letzten Jahren gab es wiederholt die Möglichkeit, solches Land zu erwerben.

Deshalb: Lasst uns doch die zukünftige Zonenplanrevision abwarten und nicht noch schnell ein Gebiet umzonen, bei welchem alle wissen, dass, wenn wir uns an das neue Raumplanungsgesetz halten möchten, es nicht den neuen Vorgaben des Bundes entspricht. So ganz im Sinne Winkelrieds: Wir lassen uns nicht von einigen Oberen sagen, in welche Richtung wir laufen müssen. Lasst uns vollständig informieren und die Demokratie entscheiden!

Othmar Schmid, Sempach

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