“ Im Friedheim wäre auch Bauland denkbar“

Leserbriefe SempacherWoche 21. Juli 2016:

„Eine offene Kommunikation und der Einbezug aller Betroffenen sei in jedem Fall wichtig“, betont die Bauvorsteherin Mary Sidler widerholt. Als Einwohnerin von Sempach muss ich leider feststellen, dass hier Kommunikation mehr betont als wirklich gelebt wird. Deshalb ist es hier in der SempacherWoche auch zu einem öffentlichen Schlagabtausch gekommen. Ich finde, dass die Bevölkerung vor einer Gemeindeversammlung offen und ehrlich über das Projekt „Zihlweid“ informiert werden muss. Es reicht nicht, wenn die teilnehmende Bevölkerung von den zwei Parteien (Befürworter und Gegner) am besagten Termin mit Informationen überhäuft werden, welche nicht so auf die Schnelle abgeklärt werden können und es trotzdem zu einer Abstimmung kommen soll.

„Das neue Raumplanungsgesetz sieht vor, dass sich Siedlungen nach innen entwickeln sollen. Die Zihlweid gibt ein Beispiel ab, dass es auch anders geht.“ Diese Textzeile aus der SempacherWoche vom 14. Juli 2016 macht stutzig wenn man sie genauer betrachtet! Weshalb sollte es „anders“ gehen, wenn eine Entwicklung nach Innen möglich wäre?

Laut Artikel sei einzig im Gebiet der Hubelstrasse Baulandreserven vorhanden, was jedoch so nicht stimmt! Das Friedheim wird dabei nicht einmal erwähnt, obwohl schon seit längerem klar ist, dass der Grundbesitzer dieses unbebauten Landes, welches bereits gut erschlossen ist, einer Einzonung nicht abgeneigt ist.

Das Projekt „Zihlweid“ wurde bereits zweimal bei der kantonalen Vorprüfung durchgewunken:
Das erste Mal im Mai 2013, nachdem die Revision des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes im März 2013 vom Volk angenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war das  Einzonungsmoratorium jedoch noch nicht in Kraft.
Der zweite Bericht im 2015 fiel ebenfalls positiv aus, als die Stadt Sempach gegenüber dem Kanton keine Veränderung bezüglich Baulandreserven angab (obwohl der Stadtrat zu diesem Zeitpunkt wusste, dass der Grundeigentümer des Friedheim bereit  war sein Land einzonen zu lassen!). Wer weiss, vielleicht hätte der Kanton anders entschieden, wenn ihm diese wichtige Information nicht vorenthalten worden wäre? Es hätte ein grösseres Stück Land (Friedheim) einem kleineren (Zihlweid) gegenübergestanden. Das Gebiet Friedheim ist bereits erschlossen  und stellt praktisch eine Baulücke dar (eingepackt zwischen Benziwinkel, Sonnhubel und Hubelweid). Die Zihlweid müsste über Landwirtschaft erschlossen werden und liegt am Ende des Siedlungsgebietes auf einer Fruchtfolgefläche, welche zu 60cm abgegraben und abtransportiert werden müsste, um an einem anderen Ort als Fruchtfolgefläche bestehen zu können. Zudem wird auch in Zukunft keine direkte Verbindung zum angrenzenden Quartier „Schauensee“ bestehen, da für einen Fussweg – wie von der Stadt vorgesehen – eine Enteignung mehrerer Grundeigentümer notwendig wäre. Somit läge die Zihlweid absolut isoliert im Juhe. Sie wäre nur über die Landwirtschaft und über eine kleine Brücke zu erreichen! Ich glaube nicht, dass das Friedheim den Kürzeren gezogen hätte! Trotzdem verweist die Stadt Sempach darauf, dass zwei Vorprüfungsberichte positiv ausfielen!

Aufgrund eines Bundesgerichtsentscheides vom 16. März 2016 sind bezüglich Lärmschutz andere Massnahmen zu treffen als bisher im Kanton Luzern angewendet wurden. D. h. der Lärm muss an der Quelle behoben werden und kann nicht mehr über bauliche Massnahmen am Objekt minimiert werden (Beispiel Zihlweid: Festverglasung Richtung Autobahn). Das kann nun bedeuten, dass bei der Autobahn direkt ein Lärmschutz angebracht werden müsste. Dies wiederum würde erneut für das Friedheim sprechen.

Die Zihlweid und das Friedheim liegen beide gleich weit vom Zentrum entfernt – wenn mit Zentrum das Städtchen gemeint ist. Zur Schule hätten die Kinder sogar noch einen etwas kürzeren und vor allem sicheren Weg. Das Städtchen mehr ins Zentrum zu rücken, wie das die Idee des Stadtrates ist, erklärt jedoch nicht, weshalb wir in diesem Fall für eine Entwicklung nach Aussen anstatt nach Innen folgen sollten.

Beide Gebiete wurden gleichzeitig (2006) in das „Übrige Gemeindegebiet“ aufgenommen. Bei der Umzonung in „ÜG“ wurde der Bevölkerung klar gemacht, dass dieses Gebiet nicht zwingend in ein Bauland umgezont werden wird. Es könnte auch wieder ausgezont werden. Ich finde es deshalb etwas anmassend zu behaupten, dass die Bevölkerung bereits vor 10 Jahren quasi einer zukünftigen Einzonung zugestimmt hätte – und das zu einem Zeitpunkt, als das Raumplanungsgesetz noch nicht revidiert war!

Abschliessend ist zu sagen, dass eine offene Kommunikation anders aussehen sollte. Die Zihlweid entspricht nicht den Anforderungen des revidierten Raumplanungsgesetzes. Es stellt sich die Frage, weshalb sich der Stadtrat so für die Einzonung der Zihlweid einsetzt? Stehen womöglich andere Interessen im Vordergrund?

Susanne Stürmlin, Sempach“

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